Die Terra Alta – Weinbau im Gebirge und ein Picasso

Die katalanische Weinbauregion Terra Alta liegt etwa 350 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel, es geht also zuerst mal ganz schön hinauf, wenn man von der Küste oder dem unteren Ebro-Tal kommt. Nachgewiesen ist der Weinbau hier seit dem Mittelalter. Seit Jahrzehnten werden hier ausgezeichnete DO-Qualitäten erzeugt.

Touristisch bedeutsam sind die Kellereigebäude, die von Cèsar Martinell i Brunet im Stil des Modernisme erbaut wurden, allen voran die Catedral del Vi in El Pinell de Brai. Hier sammeln sich die kulturbeflissenen Touristen in Scharen. Entsprechend teuer sind denn auch die Weine der Kooperative, die heute nur noch aus 4 Mitgliedern besteht. Eher lausige Qualitäten, wie die Verkostung ergeben hat.

Der zweite touristische Hotspot ist die kleine Gemeinde Gandesa, wo es ebenfalls eine vom gleichen Architekten erbaute Kellerei zu besichtigen gibt, die vor allem wegen ihrer niedlichen, funktionslosen Türmchen bekannt geworden ist:

Hier haben wir gleich an gar keiner Verkostung mehr teilgenommen.

Ein anderer Weinort namens Bot liegt malerisch zwischen den Bergen – und die hiesige Kellerei bietet zwar keine sehenswürdigen Bauten, dafür macht man exzellenten Wein. Den Rosé haben wir schon im Amaré kennengelernt. Leider ist genau der nicht im Verkauf erhältlich, den gibt es nur in Abfüllungen für die Gastronomie. Was immer das bedeuten mag. Man hat aber noch andere gute Tropfen. Der Abstecher zu Sant Josep Vins lohnt sich allemal!

Der Ausflug in die Terra Alta macht sich aber schon allein wegen der spektakulären Landschaft bezahlt:

Etwas weiter südlich, aber immer noch zur Weinbauregion gehörig, liegt das Dorf Horta de Sant Joan. Hier verbrachte Pablo Picasso im Alter von 16 Jahren einige Monate zur Genesung – und empfing eine lebenslange Inspiration. Berühmt geworden sind seine kubistischen Ansichten von Horta aus dem Jahr 1909. Er bliebt dem Ort sein Leben lang innig verbunden, so kam es auch, dass er etliche Stücke aus seiner ersten Phase für die Errichtung eines kleinen Museums in Horta stiftete.

Aber die auf einem steilen Hügel zusammengedrängten Häuser sind trotz fast 100 Jahren Entwicklung nach wie vor idyllisch:

Horta de Sant Joan

Einen Besuch lohne aber neben dem Picasso-Museum vor allem die verwinkelte Altstadt.

Und wenn man am Wochenende von La Mercé Ende September, der Festa Mayor der katalonischen Hauptstadt Barcelona, hier vorbei kommt, rüstet sich auch Horta de Sant Joan für ein abendliches Fest. am Hauptplatz werden schon nachmittags die Griller angeheizt, die Gassen sind mit improvisierten Girlanden aus alten Plastikflaschen dekoriert…

Deko zum Fest
Improvisierte Deko aus alten Plastikflaschen

Da geht bestimmt was ab am Abend!

Aber auch die sportlichen Aktivitäten der Jugend haben einen Twist ins Skurrile: auf der kurvigen Gebirgsstraße zwischen Prat le Comte und Bot stürzen sich die Skater auf Longboards in die Abfahrt auf dem elegant gewundenen Asphaltband.

Zum Glück sind wir weitum die einzigen, die hier im Auto rumkurven… und langsam, weil uns die Gegend wichtiger ist als das Vorankommen!

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