Aujargues – ein Dorf, das dennoch nicht zu klein ist

Knapp 850 Einwohner, nicht mal 3G Internet, nicht viel außer Landwirtschaft – das wäre daheim in Österreich ein Todesurteil für ein Dorf. Mit Sicherheit gäbe es da keinen Bäcker, keinen noch so kleinen Supermarkt, kein Dorfwirtshaus… bei uns in Zillingdorf ist das jedenfalls so, obgleich wir ungefähr 2.000 Einwohner haben. Unser Wirtshaus öffnet nur, wenn man den Betreibern für eine Hochzeit, Taufe oder sowas mit Geldbündeln wachelt. Das Lebensmittelgeschäft führt nicht mal die nötigsten Dinge, man ist scheinbar auf Extrawurstsemmeln spezialisiert. Der Bäcker hat längst dauerhaft aufgegeben. Auch Frau Nachbars Blumenladen hat wegen absoluter Fruchtlosigkeit nach nicht mal zwei Jahren inzwischen wieder zu.

Aujargues also, ein paar Kilometer von Sommières im Department Gard gelegen, hat wie in Frankreich üblich eine Bäckerei, der ich allerdings keinerlei Loblied zu singen bereit bin, weder zu französischen noch zu österreichischen Bedingungen, dazu einen richtigen Supermarkt, der wenig Wünsche offen lässt, aber halt leider auch kein Wirtshaus. Gar keins, nicht mal zu besonderen Gelegenheiten. Die Mediathek wird vom Bücherbus bestritten, aber der kommt immerhin regelmäßig vorbei, ebenso wie der mobile Fleischhauer im Verkaufslaster.

Die Häuser sind nicht eben klein, auch die meisten von den alten nicht, hier hat’s einträgliche Landwirtschaft, hier wohnt gutes Geld. Offenbar haben sich auch die beruflich abgewanderten noch ihre Villen behalten oder errichtet.

Die feline Population sieht dem ganzen jedenfalls gelassen zu:

Hier also sind wir für unsere Woche im Languedoc abgestiegen, gefunden auf AirBnB versteht sich. Christine und Gabriel haben uns freundlichen empfangen, er spricht sogar deutsch – auf alle Fälle so gut wie ich französisch… Das Studio ist ist allerfeinst eingerichtet, in einem netten alten Gemäuer auf drei Etagen untergebracht – mit uneinsehbarer beschatteter Dachterasse.

Einziger Wehmutstropfen – und großer Unterschied zu daheim in Z. – ist die Mobilfunkerei: hier geht nicht mal 3G in halbwegs erträglicher Geschwindkeit, zeitweise sogar überhaupt nicht. Das nervt, weil ich es gewohnt bin, meine tägliche Detailplanung und Nachbereitung auch im Urlaub spontan mit Google & Co zu machen.

Immerhin hat man uns mit einer Darbietung der hiesigen Dorfbelustigung zu bezaubern versucht. Man soll nicht undankbar sein!

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