Verona 2018

Bei der herrschenden Hitze mit um die 35 Grad im Schatten ist es eigentlich eine Schnapsidee, einen Kulturtripp in eine Stadt in Oberitalien zu unternehmen – und wer es dennoch tut, dem geschieht ganz recht. Wirklich schlimm wird aber die Kombination aus Hochsommer und Verona: die Sonne brennt auf eine Stadt, in der die nicht-sehenswürdigen Sehenswürdigkeiten die Oberhand haben. Das meiste im standardmäßigen Besichtigungsprogramm in Verona ist schlicht uninteressant – oder vielleicht grade noch, wenn man schon mal da ist, als Studie zur Dummheit des heutigen Touristen akzeptabel.

Denn Verona ist die Stadt von Romeo und Julia: es gibt eine Casa di Giulietta – das Wohnhaus der Julia, die es aber natürlich nie wirklich gegeben hat.

ein Blick in den Hof und auf den sagenumwobenen Balkon – bei nachgerade geringem Andrang

Hier drängen sich die Leut’ normalerweise in dichten Scharen herein und heraus, der vermeintliche Balkon ist aber ein Sarkophag aus dem 14. Jahrhundert, der erst gegen 1920 am Haus angebracht wurde. Das weiß man, das steht in jedem Reiseführer, dennoch schieben sich die Massen heran, zahlen hunderte von Mädchen Eintritt, um sich da droben fotografieren zu lassen. Viel Gedränge auch um die Bronzestatue der Julia im Hof, um eines widersinnigen Rituals willen:

Es soll weiß-Gott-was bringen, wenn man der Statue des unglücklichen Mädchens an die Titte fasst

Dazu hinterlassen die hirnlosen Anbeter eines geschickt inszenierten Phänomens an allen Wänden im Umkreis ihr Gekritzel:

Im Umkreis der Casa di Giulietta lassen die reisenden Vandalen auf allen Wänden ihre Liebesschwüre und sonstigen Botschaften zurück

Dazu kommen eine Reihe von Kirchen inklusive des Domes, die allesamt mehr als langweilig sind. Einzig San Zeno lohnt einen Besuch.

Kulinarisch kann der genussfaktor natürlich auch einiges anführen.

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